Freitag 24. Oktober 2008

Uwe Gospodarek: "Mit "Rolled Fingers" ein besseres Gefühl

Uwe Gospodarek (* 6. August 1973 in Straubing) ist Torhüter beim deutschen Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach und hat dort noch einen Vertrag bis 30. Juni 2010.

 

Mit dem Fußballspielen begann der heute 35jährige Gospodarek in seinem Heimatort Ascha beim dortigen SV (Landkreis Straubing-Bogen). Als Jugendlicher wechselte er 1988 zum SSV Jahn Regensburg. Von 1989 bis 1995 war er zunächst Jugend-, später u. a. neben Sven Scheuer Ersatztorhüter bei den Profis des FC Bayern München, von 1995 bis 1998 spielte er beim VfL Bochum. Dort hatte er zeitweise einen Stammplatz, wurde aber schließlich von Thomas Ernst im Tor verdrängt; er absolvierte in dieser Zeit sogar ein Weltauswahl-Match in Moskau! 1998 wechselte er dann weiter zum 1. FC Kaiserslautern, wo er - nicht zuletzt aufgrund einer schweren Schulterverletzung mit anschließender Operation - hinter Andreas Reinke und später Georg Koch jedoch wieder zumeist nur Ersatztorhüter war. Ab Januar 2002 war er Stammtorhüter beim Regionalligisten SSV Jahn Regensburg, der den Aufstieg in die 2. Bundesliga im Sommer 2003 unter anderem seinen herausragenden Leistungen zu verdanken hatte. Nach Differenzen mit dem Vorstand wechselte er allerdings zum Leidwesen der Regensburger Fans gleich nach dem Aufstieg zum Zweitligisten SV Wacker Burghausen. Dort war er auch Mannschaftskapitän und aufgrund seiner Erfahrung (für den FC Bayern München bestritt er unter anderem auch Spiele in der Champions League) unumstritten. Jedoch stieg Burghausen am Ende der Saison 2006/07 in die Regionalliga ab, weshalb sich Gospodarek für einen Wechsel zu Borussia Mönchengladbach entschied. Bei der Borussia war er zunächst Ersatztorhüter hinter Christofer Heimeroth. Er spielte jedoch im letzten Spiel der Saison 2007/08 gegen den SC Paderborn, welches mit 3:2 gewonnen wurde, und am achten Spieltag der Bundesliga-Saison 2008/09 machte ihn Mönchengladbachs Interimscoach Christian Ziege nach schwachen Leistungen Heimeroths wieder zur Nummer eins, wodurch Gospodarek nach über acht Jahren sein Comeback in der Bundesliga feierte!

Sein größter Erfolg war die Deutsche Meisterschaft mit dem FC Bayern München 1994. Er hat bisher 66 Bundesligaspiele, 156 Zweitligamatches, 51 Spiele in der Regionalliga, zwei Einsätze in der "Champions League" und 18 U21-Länderspiele für Deutschland bestritten.

 

"Gospo" stand KEEPERsport-Mitarbeiter Christoph Nowak dieser Tage telefonisch Rede und Antwort, wobei sich folgendes, sehr interessantes Gespräch entwickelte:

 

KEEPERsport: "Servus Uwe, herzlichen Glückwunsch! Du bist seit zwei Partien im Tor von Borussia Mönchengladbach, in diesen gab es gleich vier Punkte! Wie hoch siehst du deinen eigenen Anteil an diesem Aufschwung?"

Uwe Gospodarek: "Der Einzelne ist da eigentlich gar nicht wichtig, jeder Spieler sollte sich dem Mannschaftsgedanken und - erfolg unterordnen und versuchen, dass wir als Mannschaft gemeinsam das beste erreichen."

 

KEEPERsport: "Direkt nach der Beurlaubung von Trainer Jos Luhukay hast du Christofer Heimeroth abgelöst, für Torwart-Experten nicht ganz unerwartet und auch nicht unberechtigt. Gab es denn unter dem alten Coach keine Chancen, Stammkeeper zu werden?"

Uwe Gospodarek: "Als ich vor ungefähr eineinhalb Jahren nach Gladbach kam, waren die Voraussetzungen so, das Christofer Heimeroth die Chance als Stammtorwart bekommen sollte und somit zunächst gesetzt war; mir wurde bei meiner Verpflichtung dies auch ganz klar so gesagt. Es ist nicht meine Art, in die Öffentlichkeit zu gehen oder irgendwelche Ansprüche zu stellen, aber ich habe im Training immer so gearbeitet, wie wenn ich selbst spielen würde und auf meine Chance gewartet, das hat sich bis heute nicht geändert."

 

KEEPERsport: "Wie ist denn das Feeling, nach über acht Jahren wieder in die Bundesliga zurückzukehren? Die Fans haben dich ja am Samstag bei eurem 1:0-Erfolg gegen den KSC ziemlich gefeiert... "

Uwe Gospodarek: "Natürlich ist das ein Riesengefühl, die Bundesliga ist kein Vergleich zur zweiten Liga oder der Regionalliga, von der Atmosphäre, den Stadien, vom ganzen Drumherum her; es macht viel Spaß, ich will diese Möglichkeit genießen und versuchen, die Leute durch Leistung zu überzeugen!"

 

KEEPERsport: "Für das gestrige Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg (0:3) musstest du wegen einer Muskelverhärtung im Oberschenkel leider passen, im Tor stand aber anstatt - wie allseits erwartet - nicht Christofer Heimeroth, sondern Euer Nachwuchsmann Frederik Löhe (20), normalerweise Regionalliga-Schlussmann eurer zweiten Mannschaft... "

Uwe Gospodarek: "Die Verletzung zum jetzigen Zeitpunkt kurz nach meinem Comeback ist natürlich blöd, aber es ist keine große Sache. Das Problem ist halt, dass es eine "englische Woche" ist. Normalerweise ist so eine Geschichte nach zwei oder drei Tagen überstanden. Es bringt ja nichts, wenn ich nur zu 80 % fit bin, da kann ich der Mannschaft nicht helfen; sich trotzdem ins Tor zu stellen wäre meiner Ansicht nach völlig falscher Egoismus!"

 

KEEPERsport: "Packt die Borussia den Klassenerhalt und wie sind deine ersten Eindrücke vom neuen Trainer Hans Meyer?"

Uwe Gospodarek: "Hans Meyer hat natürlich große Erfahrung und seine doch beachtlichen Erfolge sprechen für sich. Die Niederlage in Wolfsburg gestern abend ist nach den jüngsten positiven Ergebnissen natürlich ein kleiner Rückschlag, doch dort kann man auch verlieren. Wichtig sind jetzt die nächsten Wochen, in denen viele Spiele gegen direkte Mitkonkurrenten anstehen, aber ich bin da guter Dinge!"

 

KEEPERsport: "Dein Engagement in Mönchengladbach geht mit der räumlichen Trennung von deiner Familie, die nach wie vor in eurem Haus in Grünwald bei München lebt, einher. Wie ist dieser Umstand zu bewältigen?

Uwe Gospodarek: "Das ganze ist natürlich nicht so einfach oder optimal, das Familienleben leidet auf jeden Fall sehr - logisch! Die Entscheidung fiel damals so hauptsächlich wegen unserem Sohn Fabio, um ihn nicht aus seinem schulischen Umfeld herauszureißen; ich muss absolut den Hut vor meiner Frau ziehen, dass sie das alles so toll mitmacht. Im Dezember erwarten wir unser drittes Kind, vielleicht finden wir dann eine andere Lösung. Der Verein ermöglicht es mir aber derzeit - außer in "Englischen" - jede Woche für eineinhalb Tage daheim zu sein."

 

KEEPERsport: "Man bekommt natürlich als 33-Jähriger nicht alle Tage ein Vertragsangebot über drei Jahre, zudem wenn man von einem Zweitliga-Absteiger kommt und es sich beim Interessenten um den Traditionsverein Borussia Mönchengladbach handelt. Wie schnell fällt da die Entscheidung?"

Uwe Gospodarek: "Eigentlich war das schon beim ersten Anruf geklärt, auch wenn man dann natürlich - auch aus den in der letzten Frage erwähnten Gründen - schon nochmal kurz überlegt hat. Selbst wenn Mönchengladbach damals gerade in die zweite Liga abgestiegen war, ist es dennoch eine Top-Adresse und ein Traditionsverein mit Riesenpotenzial sowie einer klasse Infrastruktur."

 

KEEPERsport: "Du bist ja ein Torhüter, der sich sehr viel mit Ausrüstungsmaterialien und da vor allem mit Torwarthandschuhen auskennt und beschäftigt, wir beide tauschen ja uns eigentlich seit Beginn deiner Karriere Anfang der neunziger Jahre regelmäßig diesbezüglich aus. Zudem bist du eigentlich DER Testtorhüter für "adidas" überhaupt; wie kam es zu diesem großen Interesse und deiner Tätigkeit für das Herzogenauracher Unternehmen?"

Uwe Gospodarek: "Mit "adidas" habe ich ja seit deiner Zeit dort 1994 Kontakt, einen Handschuhvertrag habe ich dort dann im Jahr darauf bei meinem Wechsel zum VfL Bochum abgeschlossen. Der gute Kontakt besteht bis heute und hat sich im Laufe der Jahre natürlich immer weiter intensiviert, mittlerweile kenne ich sehr viele Leute von dort, sei es aus dem Textil- und Schuhbreich oder der Produktentwicklung. Das Schöne an der Firma ist halt, dass man als Profi für seine Produkttests sehr viel Feedback bekommt und viele Vorschläge für die weitere Entwicklung eines Produkts angenommen werden."

 

KEEPERsport: "Borussia Mönchengladbach ist per langfristigem Vereinsvertrag eigentlich an die Marke "reusch" gebunden, aber du konntest durchsetzen, dass du weiterhin mit "adidas", obwohl du früher auch schon zweimal von "reusch" ausgerüstet wurdest, spielen darfst. Was ist der Grund dafür und gab es Probleme, dein Ansinnen durchzusetzen?"

Uwe Gospodarek: "Ich persönlich komme halt mit dem Material von "adidas" einfach besser zurecht, dies soll keine Abwertung von "reusch" sein, zudem wollte ich jetzt einfach nicht mehr wechseln. Sowohl "reusch" als auch mein Verein haben das akzeptiert, schließlich war ich ja seit 1995 bis auf eine gewisse Zeit beim 1. FC Kaiserslautern, als mir der Verein aufgrund eines Vertrags mit "NIKE" dies verboten hat, und direkt danach bei Jahn Regensburg immer überzeugter "adidas"-Träger!"

 

KEEPERsport: "Vor einiger Zeit bist du vom Innennaht- zum "Rolled-Fingers"-Schnitt gewechselt, was war der Grund dafür? Wie sind deine Handschuhe derzeit ansonsten beschaffen? Wieviele Paar pro Spielzeit benötigst du ungefähr?"

Uwe Gospodarek: "Weil ich damit ein noch besseres Gefühl habe. Bei der Innennaht haben sich die Finger dann doch manchmal verdreht, beim neuen Schnitt liegt der Haftschaum eben zu 100 % am Ball an; ich habe die Größe 9,5, der Daumen ist innengenäht. Auf eine Bandage verzichte ich, weil ich mit der langen Haftschauminnenhand und den zwei Gummizügen im Bund den Handschuh meiner Meinung nach viel besser am Handgelenk fixieren kann. "adidas" setzt mir bezüglich der Handschuhmenge kein Limit und ich habe auch nie nachgezählt, aber ich denke, dass es so an die 50 Paar sein dürften. Der Verbrauch ist natürlich immer situationsbedingt, ob man spielt oder nicht."

 

KEEPERsport: "Was denkst du, wie sich der Torwarthandschuh-Sektor in den nächsten Jahren noch weiterentwickeln oder verbessern kann; wie siehst du die Fortschritte diesbezüglich im vergangenen Jahrzehnt?"

Uwe Gospodarek: "Das Problem sind nicht die Handschuhe, sondern vielmehr die Beschaffenheit und die Unterschiedlichkeit der Bälle. Fast jede Woche spielt man aufgrund der verschiedenen Vereinsaustatter mit einem anderen Ball. Bei den Torwarthandschuhen denke ich, dass so ziemlich das Optimum erreicht ist; wichtig ist die Passform und ein vernünftiger Verschluss, die jeweilige Optik ist immer Geschmackssache. Ich persönlich verzichte bei meinen Handschuhen auf jeden überflüssigen "Schnickschnack", aber das muss jeder Keeper auch selber wissen."

 

KEEPERsport: "Wirst du nach deinem Karriereende in diesem Bereich bleiben, z. B. als Produktmanager, oder hast du vielleicht sogar schon eine konkrete Jobzusage von "adidas"?

Uwe Gospodarek: "Klar ist, dass wir weiterhin zusammenarbeiten! Mein Fokus richtet sich aber eher auf den Torwartcoach-Bereich, um jüngeren Torhütern meine Erfahrungen irgendwann weitergeben zu können. Mit "Sepp" Maier und "Toni" Schumacher bei Bayern, Ralf Zumdick in Bochum, "Gerry" Ehrmann in Lautern, Karl-Heinz Fenk in Burghausen und jetzt Uwe Kamps habe ich einige unterschiedliche Typen als Torwarttrainer erlebt, aus deren Philosophien man sich jeweils vielleicht die Dinge, die einem am besten gefallen haben, herausziehen und zu einer eigenen Art der Torwartschulung vereinen kann."

 

KEEPERsport: "Dein Vertrag in Mönchengladbach endet im Juni 2010, du bist dann gut 36 Jahre alt... Ein guter Zeitpunkt aufzuhören, oder machst du noch weiter? Könntest du dir vielleicht auch vorstellen, später nochmal irgendwo im Münchener Amateurfußball-Bereich irgendwo im "Kasten" zu stehen?"

Uwe Gospodarek: "Ich möchte auf jeden Fall auf höchstem Niveau solange spielen, wie es nur geht, weshalb ich meinen Körper absolut hege und pflege. In diesem tollen Beruf sollte man doch solange bleiben, wie es möglich ist und das Optimum herausholen. Dies ist die große Motivation für mich!"

 

KEEPERsport: "Du bist seit mehr als 16 Jahren Fußball-Profi, wie kann man sich a eigentlich noch jeden Tag auf `s Neue motivieren, und tun einem nach einem harten Match oder Training nicht manchmal alle Knochen beim Aufstehen in der Früh´ weh?

Uwe Gospodarek: "Also, wenn ich manchmal höre, wie unsere jüngeren Spieler jammern, dann fühle ich mich noch richtig gut ;-) ... Die Schmerzen hat man aber als Junger doch auch. Ich achte - wie gesagt - sehr auf meinen Körper und die Borussia hat tolle Regenerationsmöglichkeiten sowie klasse physiotherapeutische Mitarbeiter. Zudem macht mir das ganze noch genauso so viel Spaß wie am ersten Tag als Profi!"

 

KEEPERsport: "Du liest auch öfters `mal über das Torwart-Spezialisten-Forum von Falk Siemering d´rüber? Ist sowas für dich wirklich interessant oder schüttelst du manchmal doch den Kopf über die "Handschuh-Verrückten"?"

Uwe Gospodarek: "Ich schau´ vielleicht so alle zwei Wochen `mal rein - mich interessieren vor allem die Bilder und Beschreibungen von den Sondermodellen anderer Profikeeper; zudem schaue ich schon auch, was die Meinungen der Amateurtorhüter sind - zum einen aus Interesse, zum anderen aber auch, um deren Wünsche und Anregungen an "adidas" weitergeben zu können."

 

KEEPERsport: "Wann schaust denn jetzt endlich `mal bei uns in Unterhaching vorbei *grins* , meine Einladung ergeht hiermit zum 42. Mal ;-) ? Im Ernst: Wie gefällt dir unsere Geschäftsidee und unser Konzept?"

Uwe Gospodarek: "Ich weiß, aber die eineinhalb Tage, die ich pro Woche vielleicht in München bin, verbringe ich komplett mit meiner Familie, aus den vorher erwähnten Gründen; versprochen ist aber definitiv ein Besuch im nächsten Sommer, vielleicht klappt es ja aber auch schon in der Winterpause. Eure Strategie finde ich sehr, sehr gut - ihr seid sehr nah d´ran an allen Keepern und an deren Bedürfnissen, zudem deckt ihr ein sehr breites Spektrum ab, Respekt!"

 

"Uwe, VIELEN HERZLICHEN DANK für das gute Gespräch; wir bleiben natürlich in Kontakt und wünschen dir und deiner Familie alles erdenklich Gute!!! Und vielleicht klappt `s ja demnächst `mal wirklich mit einem Besuch von Dir bei uns in Haching, wir würden uns auf jeden Fall riesig darüber freuen!!!"

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