Lars Leese: Den FC Barnsley verfolge ich noch heute
Lars Leese (38) begann seine Fußballkarriere bei der Jugendmannschaft von Fortuna Köln, ehe er später zum 1. FC Köln wechselte. Mit 16 hörte er jedoch für kurze Zeit mit dem Fußball auf, da er keine Lust mehr hatte. Doch nur wenige Wochen danach fing er beim BC Efferen wieder an, allerdings ohne das Ziel, Fußballprofi zu werden, wie er es in seiner Zeit bei Köln noch hatte, sondern vielmehr zum Spaß.
1989 ging er zu den Sportfreunden Neitersen in die Kreisliga (!) Westerwald, von dort aus 1992 zum VfB Wissen in die Oberliga Südwest, der eine Saison in der Regionalliga West spielten.
1995 wechselte Leese zu Preußen Köln in die Oberliga Nordrhein, ehe er ein Jahr später zu Bayer Leverkusen in die Fußball-Bundesliga wechselte, dort dritter Torwart wurde, aber leider ohne Bundesliga-Spiel blieb.
Im Sommer 1997 ging er nach England zum FC Barnsley, der in dem Jahr zum ersten Mal in der Premier League spielte. Bei Barnsley machte er 20 Spiele (1997/98: 8 Spiele (1. Liga); 1998/99: 8 Spiele (2. Liga), 4 Ligapokalspiele), bevor 1999 sein Vertrag auslief. Höhepunkt dort war für ihn fraglos ein denkwürdiger 1:0-Sieg des späteren Absteigers an der Anfield Road beim FC Liverpool im Liga-Auswärtsspiel...
Nachdem er für die Saison 1999/2000 keinen Verein fand, ging er zurück zu Preußen Köln in die Oberliga, wo er die Saison 2000/2001 spielte und danach zu den Amateuren von Borussia Mönchengladbach wechselte. Nach zwei Jahren ging es dann zu den Amateuren vom 1. FC Köln, wo er in der Regionalliga noch einige Spiele als Mannschaftskapitän absolvierte und im Winter 2004 als Ersatztorwart in die Profimannschaft der Kölner berufen wurde. Nach der Saison 2004/05 beendete er seine Fußballkarriere.
Seit dem 1. Juli 2005 ist Leese Trainer beim Oberligisten SSG 09 Bergisch Gladbach, mit dem er direkt in der ersten Saison den Aufstieg in die Oberliga Nordrhein souverän geschafft hat. Seit September 2006 ist er im Besitz der A-Lizenz, womit er nun berechtigt ist eine Oberligamannschaft zu trainieren.
Lars Leese ist größtenteils durch das 2002 erschienene Buch „Der Traumhüter. Die unglaubliche Geschichte eines Torwarts“ bekannt geworden, das er zusammen mit Ronald Reng verfasst hat. Das Buch beschreibt Leeses wechselhafte Karriere und erzählt den Weg von der Kreisliga über die Premier League zurück in die Oberliga. Es wurde in Deutschland ein Bestseller und in den Medien oft mit „Fever Pitch“ von Nick Hornby verglichen, obwohl beide Werke stilistisch sehr unterschiedlich sind. Doch wie „Fever Pitch“ in den Neunziger Jahren in England gilt „Der Traumhüter“ in Deutschland als das Buch, das den Fußball als literarisches Thema salonfähig machte. Im Jahre 2004 wurde „Der Traumhüter“ als erstes ausländisches Buch überhaupt in England mit dem Titel „Bestes Sportbuch des Jahres“ ausgezeichnet.
Mit Lars Leese sprach Christoph Nowak vom KEEPERsport-Team, der ihn im Jahr 2004, nachdem er sich seine Nummer besorgte, einfach `mal angerufen hatte und ihn daraufhin als sehr offenen und netten Kerl persönlich kennenlernen durfte:
KEEPERsport: "Hallo Lars! Wie geht es dir und wie läuft es derzeit bei deinem Verein Bergisch-Gladbach 09?"
Lars Leese: "Danke. Sportlich läuft es zur Zeit zwar nicht so toll bei uns, denn wir haben leider in den ersten vier Partien nach der Winterpause nicht gewinnen können! Wir spielen zwar einen wirklich ansehnlichen Fußball, doch es will einfach nicht so recht klappen, schade! Diese Saison haben wir in unserer Liga leider sieben Absteiger, was mit der Einführung der 3. Bundesliga kommende Spielzeit zusammenhängt. Privat ist alles in bester Ordnung, die kleine Familie des "Traumhüters" gibt es jedenfalls noch ;-) ."
KEEPERsport: "Durch dein Buch "Der Traumhüter" und die darin geschilderten Erlebnisse bist du für viele Keeper zur absoluten Kultfigur geworden. Wie wirkt sich das Werk heute noch aktuell auf dein Leben aus?"
Lars Leese: "Erst gestern habe ich wieder eine nette Geschichte erlebt: Unser Familienstammbuch lag seit ungefähr drei Jahren in der Pfarrei an meinem Wohnort und eine Frau, die dort tätig ist, wollte es uns vorbeibringen, hatte aber leider keine Adresse; ihre drei Söhne aber konnten ihr natürlich ;-) sagen, wo der "Traumhüter" wohnt... Das ganze ist nicht irgendwie "verjährt", demnächst werde ich in Berlin auch wieder eine Lesung halten!"
KEEPERsport: "Es war auch `mal geplant, Deine Geschichte zu verfilmen. Wie ist denn da der aktuelle Sachstand?"
Lars Leese: "Eigentlich war das ganze zunächst zur WM 2006 geplant, aber da meinte der Produzent, dass der Markt damals - eigentlich auch nachvollziehbar - "übersättigt" gewesen wäre; leider gibt es auch im Moment keinen konkreten Starttermin, man wartet bei der renommierten Kino-Produktionsfirma in München wohl auf den richtigen Zeitpunkt für den Start des Projekts! Erst kürzlich aber hat sich wieder jemand von denen bei mir gemeldet. "Gestorben" ist das ganze also noch nicht."
KEEPERsport: "Das Buch endet leider mit der damaligen Situation deiner Arbeitslosigkeit. Danach hast du dann aber doch noch mit Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln bei zwei sehr renommierten Vereinen gespielt; vor allem beim "FC" warst Du ja dann sogar noch mehrfach im Profi-Kader! Bist du nach dem dann doch positiven Abschluss mit deiner sportlichen Karriere "im Reinen"?"
Lars Leese: "Absolut, ganz klar! Auch wenn es natürlich schon noch eine geniale Sache gewesen wäre, am Saisonende für ein paar Minuten im Kölner "RheinEnergieStadion" selbst zu spielen. Es war aber trotzdem was ganz besonderes für mich, dort überhaupt nochmal im Kader zu stehen und auf dem Platz zu stehen, gerade wenn z. B. vor oder nach dem Spiel die ganzen kölschen Kultsongs vom Band liefen... Ich denke, es war auf jeden Fall ein guter Abschluss, keine Frage!"
KEEPERsport: "Eine sehr amüsante Geschichte in deinem Buch ist, dass du deine ersten Torwarthandschuhe mit Namen, die du in Leverkusen von "reusch" bekommen hattest, sogar beim Autofahren angezogen hast ;-) ; später wurdest du dann auch noch von "JAKO" ausgerüstet! Was für Spezifikationen hatten Deine Handschuhe damals und wie wichtig waren die Torwartprodukte überhaupt für dich?"
Lars Leese: "Ich mochte immer Innennaht mit einem vier Millimeter dicken Haftschaum sehr gerne; gerade die Handschuhe waren für mich als "Arbeitsgerät" sehr, sehr wichtig! Dies ist aber auch bei vielen anderen Keepern so, denn ab einem bestimmten Level merkt man auch bei den Kollegen, dass sie mit sehr gepflegtem und sauberem Material spielen."
KEEPERsport: "Hast Du eigentlich noch irgendwelche Kontakte nach Barnsley, wo jetzt mit Heinz Müller (derzeit leider verletzt) wieder ein Deutscher im Tor steht?"
Lars Leese: "Zu ein paar Bekannten ja, die kommen aber nicht aus dem Bereich des Fußballs. Leider nicht zum Verein, aber ich verfolge dessen weiteren Werdegang natürlich mit großem Interesse und freue mich natürlich riesig, dass der FC Barnsley, nachdem man den FC Chelsea und den FC Liverpool ausschalten konnte, dieses Jahr das Halbfinale im "FA-Cup" erreicht hat!"
KEEPERsport: "Wie findest du denn eigentlich unsere Geschäftsidee grundsätzlich und die Tatsache, dass wir kürzlich den ersten eigenen Shop für Torhüter in Deutschland (Unterhaching) eröffnet haben?"
Lars Leese: "Ich wusste bislang gar nicht, dass es so einen professionellen Torwart-Shop - auch im Internet - überhaupt gibt und denke, das ist eine sehr gute Idee. Auf jeden Fall wünsche ich Euch alles Gute für Euer Vorhaben!"
Lars, wir danken dir herzlich für dieses nette Gespräch und wünschen Dir alles erdenklich Gute!!!









