Montag 11. August 2008

Frank Rost: "Torwarthandschuhe waren ein kostbares Gut!"

Frank Rost (*30. Juni 1973 in Karl-Marx-Stadt/heute Chemnitz), Spitzname "Fäustel",  ist aktuell Torhüter beim deutschen Bundesligisten Hamburger SV und zählt seit langen Jahren zu den besten und renommiertesten deutschen Torhütern!


Rost, der verheiratet ist und eine Tochter hat, entstammt einem sportlich sehr erfolgreichen Elternhaus. Sein Vater Peter und seine Mutter Christina Rost waren beide in der DDR überaus erfolgreiche Handball-Nationalspieler. Peter Rost war 1980 Olympiasieger mit der DDR-Handball-Nationalmannschaft, seine Frau Christina gewann 1976 in Montreal die olympische Silbermedaille.

Rosts Karriere begann als Stürmer bei Lokomotive Leipzig West, ab 1982 spielte er für die BSG Chemie Böhlen. Erst mit 13 wurde er Torhüter. 1986 wechselte er in das Leistungszentrum des 1. FC Lokomotive Leipzig und nach der Wende 1990 zum 1. FC Markkleeberg.

1992 begann mit dem Wechsel zum SV Werder Bremen sein sportlich erfolgreicher Aufstieg. Seit 1998, nach dem Wechsel von Oliver Reck zum FC Schalke 04, war er dort Stammtorhüter. Mit den Bremern wurde er 1993 Deutscher Meister und gewann zweimal den DFB-Pokal (1994, 1999).

2002 wechselte er ebenfalls zum FC Schalke 04, mit dem er auch einige Erfolge feiern konnte. So wurde er im Jahr 2005 Vize-Meister und stand mit Schalke im DFB-Pokal-Endspiel, wo man dem FC Bayern München unterlag. Daneben stand er 2002 im Ligapokalfinale, konnte dieses aber erst im zweiten Anlauf im Jahr 2005 gewinnen.

In der Hinrunde der Saison 2006/2007 wurde Rost auf die Bank verbannt und durch den erst 20-jährigen Manuel Neuer ersetzt. Trainer Mirko Slomka sagte zur Begründung, dass Rost zuletzt "ein Quäntchen Glück" gefehlt habe. Da Slomka auch die Zukunft mit Neuer als Stammtorhüter plante, wechselte Rost in der Winterpause zum Hamburger SV mit einem Vertrag bis zum Sommer 2009. Dort schaffte er mit Hamburg den Sprung vom letzten Tabellenplatz auf den Siebten und damit in den UI-Cup 2007/2008.

Am Ende der Saison 2007/08 erhielt Frank Rost die Fußballauszeichnung "Die weiße Weste" für die meisten Spiele ohne Gegentor. Rost ist der erste Torwart dem diese Auszeichnung verliehen wurde, die der Fernsehsender "DSF" zum Ende der Saison erstmalig auslobte.

Für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielte der Torwart bisher viermal. Rost gilt als sehr ehrgeizig und machte sich noch bis zuletzt Hoffnung auf eine Berufung zur Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland , konnte den Sprung auf den "WM-Zug" aber nicht mehr schaffen.

Frank Rost ist übrigens neben Jens Lehmann der einzige Torwart, der aus einem Bundesligaspiel heraus (ohne Elfmeter) ein Tor erzielte. Es war am 31. März 2002 im Spiel Werder Bremen gegen Hansa Rostock der zwischenzeitliche 3:3-Ausgleichtreffer für Werder. Zudem ist Frank Rost bisher der einzige Torwart, dem an der Torwand der "ZDF“-Sendung "das aktuelle sportstudio" das Kunststück gelang, fünf Treffer zu erzielen.


Am Vorabend des DFB-Pokal-Erstrundenmatches seines Vereins Hamburger SV beim Zweitliga-Aufsteiger FC Ingolstadt 04 traf sich KEEPERsport-Mitarbeiter Christoph Nowak im Mannschaftsquartier mit dem gradlinigen und sympathischen "Haudegen" und führte folgendes Interview:


KEEPERsport: "Frank, die Saison 2008/09 steht quasi "vor der Haustür" - was erwartest du von ihr bzw. was sind deine persönlichen Ziele und die deines Teams Hamburger SV?"

Frank Rost: "Nun gut, ich bin kein Prophet: Es hängt halt alles immer von verschiedensten Faktoren ab, z. B. wie die Neuzugänge einschlagen oder ob wir von Verletzungen verschont bleiben. Momentan halte ich unseren Kader für eher dünn besetzt. Man hat in der vergangenen Spielzeit gesehen, dass wir das Potenzial haben, wirklich alle schlagen zu können, wenn wir uns "am Riemen reißen" und immer ans Limit gehen - wenn wir dies eben nicht tun, dann können wir auch gegen alle Mannschaften in der Bundesliga ebenso verlieren... Ich persönlich hoffe, verletzungsfrei zu bleiben und vernünftig Fußball zu spielen!"


KEEPERsport: "Du hast vier ordentliche Länderspiele bestritten und warst immer `mal wieder ein Thema für die Nationalelf; irgendwie stand die ganze Sache aber nie unter einem besonders guten "Stern", wobei da - aus meiner Sicht - sportliche Gründe vielleicht nicht immer eine Rolle gespielt haben. Nach dem "Rücktritt" von Jens Lehmann steht wohl ein Generationswechsel bevor, für den du jetzt sicherlich nicht mehr groß in Frage kommst... Wie denkst du über dieses Thema?"

Frank Rost: "Ich glaubte und glaube immer fest an das Leistungsprinzip und daran wird sich auch künftig nichts ändern!"


KEEPERsport: "Deine Mannschaft hat mit Rafael van der Vaart in dieser Woche ihren Star an Real Madrid verloren. Wie denkst du darüber?"

Frank Rost: "Es ist natürlich schade, aber man konnte ja damit rechnen - so ist nunmal der Lauf der Dinge im Profifußballgeschäft; Rafael hatte wirklich große Qualität, die er auch stets im Training gezeigt hat. Es ist sicherlich sehr schwer, ihn adäquat zu ersetzen, aber meiner Ansicht nach auch durchaus möglich, wenn wir uns als Team zusammenreißen und vernünftig Fußball spielen."


KEEPERsport: "Nun eine Frage in "ausrüstungsgeschichtlicher" Hinsicht: Wie war denn damals in der DDR die Versorgung mit Torwarthandschuhen?"

Frank Rost: "Natürlich musste man viel improvisieren, `mal bekam ich `was vom Fußballverband oder über Nationalkeeper René Müller, der ebenso wie ich bei Lok Leipzig gespielt hat. Die Handschuhe waren damals natürlich ein kostbares Gut, die man gehegt und gepflegt hat, klar."


KEEPERsport: "Du spielst mit einem "reusch"-Normalnaht-Handschuh, der "Supersoft"-Belag und eine Bandage hat, in Größe 13, siehe Foto links! Deine Torwarthandschuhe sind also eher konservativ ohne viel innovative Entwicklungen gehalten. Warum?"

Frank Rost: "Ich mag diesen "reusch-Klassiker" einfach und bin damit seit vielen Jahren zufrieden; als ich bei "adidas" unter Vertrag stand, war es mir schon ein Dorn im Auge, dass ich jedes Jahr ein anderes Modell spielen und mich umgewöhnen sollte. Bei der Ausrüstung geht es mir auch gar nicht ums Geld, und manchmal ist halt das Fortschrittliche gar nicht so gut wie das Bewährte!"


KEEPERsport: "Wieviele Paar Torwarthandschuhe benötigst du denn pro Saison?"

Frank Rost: "Also, wenn ich keine verschenken würde, würden mir - nur für den Spieleinsatz - vielleicht zehn Paar genügen; es kommt aber auch immer sehr auf die Platzverhältnisse an. Zuletzt waren es ungefähr knapp 50 Paar, wie mir der für mich zuständige Betreuer meines Ausrüsters "reusch", Thilo Höpfl, mitgeteilt hat."


KEEPERsport: "Apropos Thilo Höpfl: Er wird zum Ende des Monats nach langen Jahren als Promo-Mann bei "reusch" ausscheiden; es ist bekannt, dass ihr immer recht gut miteinander klargekommen seid. Wie denkst du darüber und wie geht es für dich und "reusch" weiter?"

Frank Rost: "Man muss halt jetzt einfach einmal die Entwicklung abwarten; es ist sicherlich schade, dass man sich dort getrennt hat, aber die Dinge ändern sich nun einmal manchmal im Leben... Der Thilo war natürlich schon eine sehr integrative und verbindliche Person, keine Frage."


KEEPERsport: "Warum  bist du denn auf Schalke nach der ersten Saison von "reusch" zu "adidas" gewechselt?"

Frank Rost: "Dies war ein "gentlemen agreement" zwischen Rudi Assauer und mir nach Auslaufen meines damaligen "reusch"-Vertrages aus Bremer Zeit, weil "adidas" als Vereinsausstatter natürlich ein großes Interesse daran hatte, dass auch die Schalke-Keeper mit deren Handschuhen spielten!"


KEEPERsport: "Und sofort nach deinem Wechsel zum HSV hast du dann wieder mit neutralen Handschuhen, die dir aber der Thilo Höpfl/"reusch" gemacht hatte, gespielt?!?"

Frank Rost: "Dies war ebenso eine Vereinbarung zwischen Manager "Didi" Beiersdorfer und mir, weil im damaligen Vereinsvertrag zwischen Hamburg und "PUMA" hohe Konventionalstrafen fixiert waren, und ich da natürlich nicht weiter mit "adidas" spielen konnte..."


KEEPERsport: "Du bist mittlerweile 35 Jahre jung, wielange hast du denn noch vor, professionell das Tor zu hüten?"

Frank Rost: "In meinem Alter denkt man von Jahr zu Jahr; mein Vertrag beim Hamburger SV läuft jetzt zum Saisonende aus, es gab auch schon eine lose Anfrage des Vereins zur Verlängerung. Man wird sehen, wielange ich auch mein gewohntes Niveau halten kann - bislang ist das aber kein Problem!"


KEEPERsport: "Hamburg ist eine Weltstadt, der HSV ein renommierter Verein - kannst du dir vorstellen, dort deine Karriere auch zu beenden?"

Frank Rost: "Hamburg bietet eine sehr hohe Lebensqualität, Stadt und Verein haben sehr viel Potenzial; trotz einiger "Altlasten" beim Verein denke ich schon, dass es möglich ist, wenn man die Kräfte bündelt und an einem Strang zieht, ein absoluter Spitzenverein zu werden! "Oben" wird natürlich alles zunehmend zur "Materialschlacht" und die Luft dünn... Karriereende in Hamburg: Ja, habe ich ja schon des öfteren bekundet, aber nicht zwingend; für meine sportliche Zukunft habe ich, wie gesagt, momentan auch keine langfristige Planung."



Frank, wir von KS bedanken uns herzlich für den Interviewtermin sowie das offene, angenehme Gespräch mit Dir und wünschen Dir privat wie sportlich alles, alles Gute!!!

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